Kfz-Policen: Google wird wieder einen Anlauf nehmen


Die Automobilwelt und damit auch der Kfz-Versicherungsmarkt verändern sich gerade gravierend. Für den zukünftigen Erfolg ist es zwingend notwendig, das bisherige Geschäftsmodell und die klassischen Produkte den neuen Gegebenheiten anzupassen. Ein Überblick.
Die Assekuranz ist extrem eng mit der Automobilindustrie verzahnt. Und diese erfindet sich gerade nach 130 Jahren neu – zum Beispiel mit vollkommen neuen Fahrzeugtypen.

Härterer Wettbewerb
Die Versicherer werden ständig gezwungen sein, ihr klassisches Geschäft den neuen Gegebenheiten anzupassen. Das heißt, der Wettbewerb um den einzelnen Kfz-Kunden wird härter.
Schon heute ist zu sehen, dass die Anzahl der Versicherungsgesellschaften, die Kfz-Versicherungsschutz bieten, schrumpft. Der Wettbewerb wird nochmals verstärkt, weil große Autohersteller immer häufiger auch ein “Rundum-sorglos-Paket” anbieten; mit Wartung, Reparatur und Versicherungsschutz, direkt abgeschlossen beim Kauf des Neuwagens.
Angeheizt wird der Wettbewerb zusätzlich durch Insurtechs und Vergleichsportale wie Check24. Wie selbstverständlich informieren sich Kunden heute im Netz und kaufen ihre Police per Mausklick.

Google-Aktivitäten im Blick behalten
Auch die Aktivitäten von Google sollte man weiter gut im Blick behalten. Der Vergleichsdienst “Google Compare” für Kfz-Versicherungen ist zunächst vom Tisch. Man muss aber kein Prophet sein, um zu sagen: “Irgendwann wird Google wieder einen Anlauf nehmen”.
Fast jeder Autofahrer hat ein Smartphone während der Autofahrt dabei. Damit weiß Google und natürlich auch der Netzanbieter immer, wie wir uns bewegen und wohin wir uns bewegen. Diese unschätzbare Datensammlung wird in der Zukunft sicherlich auch für das Versicherungsgeschäft eingesetzt werden – so viel ist sicher.
Im Zuge dessen machen dann auch Telematik-Tarife Sinn. Mit ihnen können Autofahrer mit guter Fahrweise hohe Prämienrabatte von bis zu 40 Prozent “erfahren”.
Aktuell ist es noch ein Nischenprodukt. Nur wenige Autofahrer wollen bislang einen Einblick in ihren Fahrstil geben, um an eine günstigere Kfz-Prämie zu kommen. Daran könnte auch der kleine Eingriff schuld sein, der fast immer notwendig ist: eine Telematik-Box muss erst ins Innenleben des Autos eingebaut werden. Oft werden für die Box vom Versicherer auch noch Gebühren berechnet.

Elf Erstversicherer mit Telematik-Tarif
Erst wenn dieser technische Begleiter direkt als Bausatz im Neuwagen integriert ist oder alles per App-Funktion über das Smartphone läuft, werden Telematik-Verträge erfolgreicher angenommen werden.
Elf Erstversicherer bieten derzeit Telematik-Tarife an. Diese sind besonders auf die Zielgruppe junger Fahrer unter 30 Jahren ausgerichtet. Eine Zielgruppe, die viel eher dazu bereit ist, ihre persönlichen Daten zu teilen.
Denn ohne Frage sind Datenschutz und die Nutzung von Fahrdaten problematisch. Zahlreiche sensible Daten werden an den Versicherer übermittelt: wohin fahre ich als Versicherungskunde? Und vor allem wie sicher oder unsicher fahre ich?

Sparen und Daten teilen
Die Datenmengen könnten leicht für ein Bewegungs- und Verhaltensprofil missbraucht werden. Geld sparen versus die Bereitschaft, persönliche Daten mit seinem Versicherer zu teilen – noch gilt es für junge Fahrer abzuwägen, ob sie sich auf einen Telematik-Vertrag einlassen wollen.
Die Versicherer werden hier versuchen, mit zusätzlichen Dienstleistungen zu überzeugen, die sie auf Basis der Telematik-Technik zur Verfügung stellen. Diebstahlschutz, Unwetterwarnung, Unfall-Notruf inklusive Übermittlung der Standortkoordinatoren – dies sind bereits realisierte Beispiele aus den Ideenwerkstätten der Gesellschaften.
Auch die Software- und Mobilfunkunternehmen haben enormes Interesse am Datentracking von Autofahrern und mischen bereits heute ordentlich mit.
Kürzlich hat Vodafone auf der CeBIT in Hannover eine Kooperation mit dem Startup ThinxNet verkündet. Es will mit einer App die Auto-Jahrgänge, die noch nicht zu den Connected Cars (also mit Internet und WLAN ausgestattet) gehören, mittels einer App ins Internet hieven.
An ausgewählten Tankstellen soll die App den Gang zur Kasse ersparen und als automatische Bezahloption fungieren. Über die App kann sich der Fahrer zudem Live-Fahrzeuginformationen anzeigen lassen oder ein elektronisches Fahrtenbuch führen.

Neue Produktansätze und alternative Vertriebskanäle
Vodafone arbeitet bei diesem Projekt auch mit den Versicherern HDI und SV-SparkassenVersicherung zusammen. Im Falle eines Unfalles soll das System automatisch einen Notruf absenden. Ob beide Versicherer den App-Anwendern spezielle Tarife anbieten werden, ist noch nicht sicher.
Sicher ist aber, dass sich – wie bereits eingangs geschrieben – die Automobilwelt und damit auch der Kfz-Versicherungsmarkt gravierend verändert.
Für den zukünftigen Erfolg ist es daher zwingend notwendig, das bisherige Geschäftsmodell und die klassischen Produkte den neuen Gegebenheiten anzupassen. Es bieten sich zahlreiche neue Produktansätze sowie Chancen für die Zusammenarbeit mit alternativen Vertriebskanälen und Anbietern.
Autor Christoph Dittrich ist Geschäftsführer der softfair GmbH.

Vielen Dank an Cash.Online

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