So klappt es mit der Schadensregulierung

Ein Brand oder ein geplatztes Wasserrohr hinterlassen die eigenen vier Wände häufig im Ausnahmezustand. Haben die Möbel einmal im Wasser gestanden, sind sie oft nur noch Sperrmüll. Umso besser, wenn es mit der Schadensregulierung durch die Hausratversicherung schnell klappt. Reinhard Hinmüller, freier Schadensachverständiger, über die Maßnahmen, die die Abwicklung im Schadenfall beschleunigen.

Pfefferminzia: Wie sah Ihr bisher kniffligster Fall eines Hausratschadens aus?

Reinhard Hinmüller: Es gibt viele Fälle, die knifflig sind. Jeder Fall hat so seine eigenen Reize. In einem relativ neuen Fall hatte ich mich mit einem Raub zu befassen, bei dem Edelsteine im Wert von etwa 300.000 Euro gestohlen wurden. Dahinter steckt eine abenteuerliche Geschichte: In diesem Fall wurde der Kunde während des Aufschließens der Haustür mittels Chloroform betäubt. Als er im Gebäude das Bewusstsein wiedererlangte, waren die Täter gerade damit beschäftigt, seinen Tresor zu öffnen. Nachdem dies nicht gelang, wurde der Kunde unter Gewaltandrohung aufgefordert, den Tresor zu öffnen. Um der Ernsthaftigkeit dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, schossen die Täter einige Male. Die Projektile stellte ich in der Wand sicher.

Bei welchen Schäden werden Sie am häufigsten hinzu gezogen?

Meistens handelt es sich um Brandschäden. In den vergangenen Jahren haben aber auch Einbruchschäden und Schäden durch Unwetterereignisse massiv zugenommen.

Was kann ein Versicherungsnehmer tun, damit die Schadensmeldung anerkannt wird und der Versicherer schnell reguliert?

Der Versicherungsnehmer kann im Vorfeld bereits eine Schadensaufstellung fertigen, die den beschädigten Gegenstand, das Anschaffungsjahr und den Neupreis enthält. Dies beschleunigt die Schadensregulierung ganz erheblich.

Wie kann aus Ihrer Sicht ein Makler seinen Kunden dabei unterstützen?

Makler können Ihre Kunden über versicherte und nicht versicherte Gegenstände in der Hausratversicherung aufklären. Damit wird verhindert, dass die Liste unnötig um nicht versicherte Sachen aufgebläht wird.

Worauf sollte ein Kunde beim Abschluss einer Hausratversicherung insbesondere achten? Welche Fälle einschließen?

Mittlerweile sollte darauf geachtet werden, dass das Elementarrisiko eingeschlossen ist. Auch die Höhe der Versicherungssumme sollte ausreichend bemessen sein. Die von den Versicherern geforderten 650 Euro pro Quadratmeter zur Erlangung der Unterversicherungsverzichtsklausel sind insbesondere bei hochwertig eingerichteten Haushalten oft nicht ausreichend. Außerdem stelle ich immer wieder fest, dass die Versicherungsnehmer vermehrt Goldmünzen und Schmucksachen zu Hause aufbewahren. Dies ist vermutlich der Zinspolitik geschuldet. Aus diesem Grund sollte auch die Entschädigungsgrenze für Wertsachen genau beachtet werden.

Welche Erfahrungen haben Sie als Sachverständiger mit der Abwicklung seitens der Versicherung gemacht? Gibt es besondere Hilfestellungen oder Services, die dem Kunden bei der Regulierung helfen?

Ja, den Versicherungsnehmern können im Bedarfsfall Kontakte zu spezialisierten Handwerkern zur Verfügung gestellt werden. Bei einem Einbruch zum Beispiel werden in der Regel Fenster- und Türelemente beschädigt. Die regionalen Handwerksbetriebe bieten hier meist den Austausch der Elemente an. Das ist mit hohen Kosten und auch Unannehmlichkeiten durch beispielsweise Baustaub verbunden. Mittlerweile gibt es hier spezialisierte Betriebe, die Reparaturen ohne großen Aufwand und auch kostengünstig durchführen können.

Reinhard Hinmüller (47) ist freiberuflicher Schadensachverständiger. Er lebt und arbeitet in Bayern. Er reguliert für Versicherungsunternehmen unter anderem Schäden an Wohngebäuden, Gewerbe- und Industriebauten. Hinmüller führt seit 2008 die Geschäfte der Eurokonzept24 in Mettenheim.
Vielen Dank an die Pfefferminzia

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