Warum sich eine BU-Police auch schon für Schüler und Studenten lohnt


Es ist sinnvoll für Schüler, Azubis und Studenten, möglichst früh eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Aber welche Klauseln sind für diese jungen Menschen besonders wichtig? Und was zählt überhaupt als Beruf eines Schülers? Pfefferminzia klärt auf.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ist die erste und die beste Wahl, wenn es darum geht, seine Arbeitskraft abzusichern. Das Problem: Selbst diejenigen, die eine BU-Versicherung abschließen wollen, bekommen sie nicht immer.
Zwei Haupt-Hindernisse gibt es dabei, weiß Versicherungsmakler und BU-Spezialist Matthias Helberg. „Die beiden größten Problemfelder der BU sind derzeit eine viel zu große Differenzierung der Berufsgruppen einerseits. Mit der Folge, dass die Absicherung für Menschen in vielen handwerklichen und sozialen Berufen unbezahlbar wird, während Akademiker Dumping-Preise bekommen.“
Andererseits führe eine immer detailliertere und schärfere Risikoprüfung dazu, dass Vorerkrankungen und als risikoerheblich eingestufte Freizeitaktivitäten den Versicherungsschutz einschränkten, oder ihn verteuern könnten. Helberg: „Ein früher Abschluss einer BU kann in beiden Problemfeldern helfen.“ Heißt: Auch Schüler, Auszubildende und Studenten sollten diese Möglichkeit ins Auge fassen.
Trotzdem ist die Bereitschaft, sich möglichst früh mit diesem Thema zu befassen, bei den jungen Leuten eher gering. „Ich warte, bis ich Geld verdiene, dann spare ich jetzt die Beiträge“, ist beispielsweise eine häufig vorgebrachte Argumentation gegen den Abschluss einer BU-Versicherung.

Man spart nichts, wenn man wartet
Das ist aber eine Rechnung, die nicht wirklich aufgeht, meint Versicherungsmakler Philip Wenzel und illustriert das anhand eines Zahlenbeispiels. „Ein 16-Jähriger Büroangestellter zahlt für eine BU-Versicherung jährlich rund 516 Euro. Bis zum 67. Lebensjahr muss er also insgesamt 26.334 Euro berappen.“
Würde er die BU-Versicherung fünf Jahre später abschließen, zahlte er etwa 582 Euro pro Jahr, was insgesamt eine Summe von 26.789 Euro ergebe. „Schiebe ich den Abschluss vor mir her, habe ich also kein Geld gespart“, so Wenzel. „Ich trage aber das Risiko, zwischenzeitlich zu erkranken, was mir den Abschluss erschweren könnte.“
Und das ist gar nicht so unüblich, wie man vielleicht denken könnte. Makler Helberg berichtet aus seinem Berateralltag zum Beispiel, dass er viele Anfragen von Interessenten an einer BU-Versicherung mit der Diagnose Multiple Sklerose (MS) bekommt, und zwar „oft von jungen Frauen in den Zwanzigern“.
Aber es muss sich nicht immer um eine ernste Erkrankung handeln. Hat ein Student etwa zu spät mit dem Lernen für eine wichtige Prüfung begonnen und lässt er sich für die Prüfung ein Attest schreiben, um erst an der Nachprüfung teilzunehmen, fängt er sich womöglich eine psychisch bedingte Krankschreibung ein. Und kann dann eine BU-Police nur noch mit Ausschluss psychischer Erkrankungen abschließen.

Eltern mit einbeziehen
Wichtig bei der BU-Beratung ist es auch, die Eltern mit ins Boot holen, empfiehlt Helberg. „Sie haben in aller Regel ein höheres Risikobewusstsein, und vor allem müssen sie oft zumindest in den ersten Jahren die Beiträge zahlen“, sagt er. Sei das Kind noch minderjährig, werde ein Elternteil oft sowieso Versicherungsnehmer.
Ist die Entscheidung ganz grundsätzlich für die BU-Police gefallen, stellt sich natürlich gleich die Frage, auf welche Punkte es im Bedingungswerk ankommt. Was ist denn überhaupt der Beruf eines Schülers oder eines Studenten?
„Als versicherte Tätigkeit gilt bei Schülern normalerweise die Teilnahme am regulären Schulunterricht, so wie sie zuletzt ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen stattgefunden hat“, erklärt Versicherungsmakler Gerd Kemnitz. Dabei sollte man darauf achten, dass – wenn möglich – eine Verweisung auf einen anderen Schultyp ausgeschlossen ist, so der Makler.

Wie ist das mit der Verweisung
Warum, erklärt Stephan Kaiser, Geschäftsführer des BU-Expertenservice, ein Unternehmen, das Makler und ihre Kunden im BU-Leistungsfall begleitet. „Kann man einen Gymnasialschüler, der nach einem Fahrradunfall schwere, irreparable Hirnschädigungen erlitt und nun in einer Förderschule unterrichtet werden muss, genau dahin verweisen?“ Das sei rechtlich ein offenes Feld, so Kaiser. Einige Versicherer versuchten aber in ihren Versicherungsbedingungen, diese Problematik halbwegs klar zu regeln. Die Swiss Life zähle beispielsweise dazu.
Die Versicherungsmakler Philip Wenzel und Gerd Kemnitz hat die BU-Versicherung der LV 1871 gerade im Bezug auf Schüler überzeugt. So berücksichtigt sie bei der Beurteilung der BU auch, ob der Schüler seinen Schulweg schafft und die dafür nötigen Verkehrsmittel nutzen kann. „Ein großer Vorteil gegenüber den Mitbewerbern“, findet Wenzel.

Zielberuf geht, Studium nicht
Bei Studenten ist die Definition des Berufs ebenfalls recht diffizil. „Manche Tarife versichern das Mindestanforderungsprofil eines hypothetischen Zielberufs, der mit dem erfolgreichen Studienabschluss ausgeübt werden könnte“, sagt Kemnitz. Optimal sei das aber nicht. Was nütze es dem Studenten schließlich, wenn er mit seinen gesundheitlichen Beschwerden zwar seinen Zielberuf ausüben könne, „aber nicht das hierfür erforderliche Studium beenden kann“, fragt Kemnitz.
In anderen Tarifen werde die Tätigkeit eines Studenten versichert. Dabei sei es besser, wenn zur Prüfung der BU das zuletzt ausgeübte Studium herangezogen werde. „Andernfalls könnte es passieren, dass ich zwar mein Lehramtsstudium nicht fortsetzen kann, aber auf ein Germanistikstudium verwiesen werde“, sagt Kemnitz. Der Nachteil bestehe hier darin, dass im Rahmen einer konkreten Verweisung auch die Lebensstellung als Student herangezogen werden könnte. „Und zumindest das Einkommen von Studenten ist bekanntlich nicht allzu hoch.“

So sieht die kundenfreundlichste Variante aus
Kemnitz hält es daher für die kundenfreundlichste Variante, wenn „der Eintritt einer BU anhand der letzten Studententätigkeit im konkreten Studienfach geprüft, aber im Rahmen der konkreten Verweisung die Lebensstellung herangezogen wird, die regelmäßig mit dem erfolgreichen Abschluss dieses Studiums erreicht wird“. Sehr positiv geregelt sei das – zumindest für Studenten in der zweiten Hälfte der Studienzeit – bei den Tarifen „Golden-BU“ der LV 1871 und „BV10“ der Alten Leipziger.
Wichtig ist bei der Auswahl des Tarifs auch, ob es Klauseln gibt, die eine Meldung des Berufs bei Berufseintritt verlangen, um die Prämie neu einzustufen. Das Zeitfenster ist oft nicht groß. „Manche Versicherer wechseln bei Nichtmeldung dann in eine Erwerbsunfähigkeitsrente“, sagt Wenzel. „Das kann für den Kunden und für den Makler zu großen Problemen führen.“

Nachversicherungsgarantien sind wichtig
Da ein BU-Vertrag, der in jungen Jahren abgeschlossen wird, gerne mal über 40 oder 50 Jahre läuft, sind Nachversicherungsgarantien bedeutend, sagt Stephan Kaiser „um die Rentenhöhe nach oben zu korrigieren“. Allerdings gebe es hierbei den Stolperstein, dass sie meist an bestimmte Ereignisse geknüpft sind und nur unmittelbar danach auch gezogen werden können. „Diese Frist beträgt oft noch drei Monate. Das ist so kurz, dass sie meist versäumt wird“, sagt Kaiser.
Kundenfreundlicher sei daher eine Frist von sechs Monaten. In Einzelfällen böten Versicherer auch Fristen von zwölf Monaten an. Gut sei es dabei auch, wenn das Versicherungsunternehmen bei der Nachversicherung nicht nur auf die erneute Gesundheitsprüfung, sondern auch auf die Prüfung eventuell neu hinzugekommener Berufs- und Freizeitrisiken verzichtet.

Vielen Dank an die Pfefferminzia

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