BU-Policen: Von Irrtümern und Vorurteilen







Versicherer und Verbraucherschützer sind sich darin einig, dass die Bevölkerung noch stärker als bisher über das Risiko Berufsunfähigkeit aufgeklärt werden muss. Einen Versuch hat kürzlich der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) unternommen. 

In einer Kolumne auf der Website des Verbandes griff Jörg von Fürstenwerth, Vorsitzender der Geschäftsführung, landläufige Irrtümer und Vorurteile rund um den Berufsunfähigkeitsschutz auf, um sie zu entkräften.
Zu diesen Irrtümern gehört laut von Fürstenwerth die Einstellung “Mich trifft es nicht”, die insbesondere bei vielen jungen, gesunden Menschen verbreitet sei. Allerdings belegten Zahlen der gesetzlichen Rentenversicherung, dass 25 Prozent der Erwerbstätigen ihre berufliche Aktivität einschränken oder aufgeben müssten. Dies habe für die Betroffenen meist gravierende finanzielle Folgen.
Falsch sei auch der Glaube, dass BU-Schutz nur schwer zu haben ist. Nach Analysen des GDV folge auf 94 Prozent aller Anträge ein Versicherungsangebot. Zwar könne es im Rahmen der Risikoprüfung noch zur Ablehnung kommen, allerdings könnten Interessenten gegensteuern, indem sie sich bereits in jungen Jahren versicherten. Je früher eine BU abgeschlossen werde, desto geringer sei die Wahrscheinlichkeit einer relevanten Vorerkrankung.

Relativ wenige Beschwerden
Dass sich die Versicherer im Leistungsfall querstellen, ist laut von Fürstenwerth ebenfalls ein Irrtum: Zahlen des Verbandes zufolge sei bei 77 Prozent der 62.000 Leistungsanträge im Jahr 2014 der Leistungsfall anerkannt worden. Zudem seien beim Ombudsmann für Versicherungen im Jahr 2015 lediglich 400 Beschwerden in Verbindung mit Berufsunfähigkeitspolicen eingegangen. Darüber hinaus habe die Assekuranz nur bei sechs Prozent aller BU-Fälle einen Gutachter eingeschaltet. In 60 Prozent dieser Anträge sei die BU vom Gutachter bestätigt worden.
Nicht korrekt sei auch, dass BU-Policen unnötig kompliziert sind. Zwar seien BU-Produkte tatsächlich sehr komplex – dies sei allerdings der Tatsache geschuldet, dass die BU eine vom Einzelfall geprägte Versicherung ist. Aus diesem Grund verwendeten die Versicherungsbedingungen übergreifende Formulierungen und Beschreibungen. So könnten sich zum Beispiel Berufe im Zeitverlauf wandeln und Krankheiten bei verschiedenen Personen unterschiedliche Auswirkungen haben. Dieser Individualität müsse Rechnung getragen werden.
Viele Versicherer bemühen sich mittlerweile, speziell die Antragsstellung einfacher zu gestalten. “Die ausführlichen Fragen zu Gesundheit und Absicherungswünschen zu beantworten ist aufwendig, aber damit stellen wir sicher, dass der Kunde gewiss sein kann, dass er im Schadensfall die vereinbarte Absicherung auch erhält”, erklärt Fiknet Veseli, Abteilungsleiterin Produktmanagement private Altersvorsorge und Biometrie bei der Ergo.
“Unser Angebot M-Check bietet eine Vorort-Untersuchung durch eine medizinische Fachkraft nach Vereinbarung, wo immer und wann immer es dem Kunden passt. Und wir nutzen auch digitale Beratungsinstrumente, die die Abfrage relevanter Daten standardisiert, einfacher und schneller macht”, so Feseli.
Canada Life bietet als technische Vereinfachung einen kompletten Online-Antrag inklusive Risikoprüfung an. “Auch sind wir bei der elektronischen Risikovoranfrageplattform Riva vertreten. Vermittler können damit einfach und abschließend klären, ob und zu welchen Konditionen sich ihre Kunden versichern lassen und eine Risikovoranfrage bei bis zu vier Gesellschaften gleichzeitig einreichen”, so Bernhard Rapp, Direktor Marketing und Produktmanagement und stellvertretender Niederlassungsleiter in Deutschland.

Angebot muss etwas taugen

Das Vertrauen in die gesetzliche Erwerbsminderungsrente ist laut von Fürstenwerth ein weiterer Irrtum rund um die BU, da diese nur eine Mindestabsicherung darstelle. Ein Aufsatz auf der Website eines Verbandes wird aber kaum etwas an der geringen Marktdurchdringung ändern. Auch an den Produkten muss gearbeitet werden.
Das sieht auch Michael Stille so, Vorstandsvorsitzender der Dialog Lebensversicherung: “Aufklärung kann nur dann zu dem erwünschten Ziel führen, wenn das Angebot etwas taugt. Es muss ein zuverlässiger Schutz zu bezahlbaren Preisen angeboten werden. Solange das nicht flächendeckend erfolgt, wird sich die Marktdurchdringung in überschaubaren Grenzen halten.” (kb)

Vielen Dank an Cash.Online

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