Warum Fondsinvestments auch in der Rentenphase noch sinnvoll sind



Die Deutschen werden so alt wie nie, sind fit wie nie und bekommen so lange Rente wie noch nie. Solche Rekorde müssen aber auch finanziert werden. Policen, die auch in der Rentenphase noch auf Aktien setzen, sind eine Lösung.

Alt und bucklig war gestern. Die Deutschen werden immer älter. Ja, weiß man inzwischen. Dass die Menschen dabei aber auch immer länger gesund bleiben, ist noch recht neu. Roland Rau ist am Max-Planck-Institut in Rostock für demografische Forschung (MPIDR) tätig, und seiner Analyse nach verlängerte sich zwischen 2005 und 2013 der Zeitraum, in dem Bundesbürger ihre körperliche Verfassung mit mindestens „mittel“ bewerten.
Heißt: 65-jährige Frauen haben inzwischen noch 17,1 relativ beschwerdefreie Jahre vor sich. Das sind 2,1 mehr als 2005. Der medizinische Fortschritt und die gesündere Lebensweise der Menschen seien Gründe für diese Entwicklung, meint Rau. „Im Untersuchungszeitraum ist beispielsweise die Sterblichkeit in Deutschland aufgrund von Kreislauferkrankungen um knapp 20 Prozent gesunken“, so der Demograf.
Das Altern hierzulande hat sich also langsam, aber sicher gewandelt. „Der Begriff ‚Ruhestand‘ trifft es nicht mehr – heute sind Menschen ab 60 aktiver als je zuvor“, sagt auch Bernhard Rapp, stellvertretender Niederlassungsleiter der Canada Life in Deutschland. „Damit muss eine Rentenversicherung Schritt halten können, wenn sie die Menschen optimal begleiten will“, so Rapp weiter.
Aus diesem Grund hält Frank Nobis, Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP), Produkte für sinnvoll, die auch nach der Ansparphase noch ein Investment in Fonds vorsehen: „Wissen Sie, im Jahr 1990 betrug die durchschnittliche Rentenbezugsdau-er noch 9,9 Jahre. Heute sind es fast 19. Wenn wir über so lange Zeiträume planen müssen, dann sollten wir auch über den Kapitalmarkt als Anlagevehikel sprechen.“

Zu risikoscheu unterwegs
Allerdings gibt es dabei nach wie vor das Problem, dass sowohl viele Anleger als auch Berater zu risikoscheu unterwegs sind. „Kapitalmarktorientierte Vorsorgeprodukte ohne oder mit geringen Garantien sind immer noch verpönt“, sagt Nobis. Zu Unrecht, meint der Experte. Denn ab einer Ansparphase von 15 Jahren könne man bei Aktien auf Garantien verzichten. „In der Altersvorsorge bewegen wir uns nahezu immer bei längeren Laufzeiten.“ Die Grundeinstellung der Menschen müsse sich daher ändern, meint Nobis.
Was man an der einen oder anderen Stelle aber auch beobachten kann. „Die Deutschen sind gerade dabei zu erkennen, welchen Preis sie über viele Jahre für ihre Liebe zur Sicherheit zahlen“, sagt Jan Roß, Vertriebsbereichsleiter Makler und ungebundene Vermittler bei der Inter. Aktuelle Zahlen der Bundesbank zeigten einen leichten Anstieg bei direkten Anlagen in Fonds und Aktien. Ein zartes Pflänzchen, meint Roß, „denn Anleger gewinnen nur langsam wieder Vertrauen – nach den eher schlechten Erfahrungen mit den Volksaktien oder gar am Neuen Markt.“
Außerdem ist es beleibe nicht so, dass die neuen investmentorientierten Produkte nicht auch gewisse Sicherungselemente vorsehen. Hier gilt es aber, genau hinzusehen, findet Mark Ortmann, Geschäftsführer des Instituts für Transparenz (ITA) in Berlin. „Wichtig ist, dass die Produkte keine versteckten und hohen Kosten aufweisen“, sagt er.

Kosten dürfen nicht zu hoch sein
Wenn die Kosten für die Absicherung von Garantien so hoch seien, dass sie die mögliche Rendite der Aktienanlage aufzehren, „dann kann man getrost auf die Produkte verzichten“, so Ortmann. Der Experte hält vor allem solche Konzepte für sinnvoll, die möglichst einfach und transparent sind. „Das angesparte Guthaben sollte in einen günstigen, passiv anlegenden Aktienfonds und in das Sicherungsvermögen des Versicherers investiert werden“, empfiehlt er.
Nun, wenn man sich anschaut, wie die Produkte typischerweise ausgestaltet sind, die aktuell ein Fondsinvestment auch im Ruhestand erlauben, dann kommt diese Bauart nicht allzu häufig vor. Generell ist die Bandbreite der angebotenen Konzepte recht hoch. Die Axa beispielsweise hat den Weg der Index-Police gewählt. Der Kunde ist beim Produkt Performance Flex zum Großteil im Sicherungsvermögen des Versicherers investiert. Die Überschüsse aber wandern dann in den Global Multi Asset Index (WKN: A2BNKS), der aus globalen Aktien, Renten und Rohstoffen besteht.

Geringe Schwankungen
„Der zugrundeliegende Index ist durch seine geringe Schwankung und eine ausgewogene, breit gestreute Anlagestruktur bestens für die Ruhestandsphase geeignet. Denn so lassen sich möglichst gleichmäßige Renditen erwirtschaften“, sagt Markus Willmes, Leiter Produktmanagement der Axa. „Unsere Kunden können so eine um bis zu 25 Prozent höhere Rente als bei einer üblichen konventionellen Verrentung erzielen.“ Die Performance des Index lag auf Ein-Jahres-Sicht bei 3,6 Prozent, die Volatilität im gleichen Zeitraum bei 4,71 Prozent.
Die Axa hat den Ruhestand des Kunden dabei in zwei Phasen aufgeteilt – die Aktiv- und die Ruhestandsphase. In der Aktivphase lässt sich die Rentenhöhe mehrfach nach oben und unten variieren, der Kunde kann Geld entnehmen oder zuzahlen. Flexibel ist der Kunde auch bei der Kapitalanlage in der Rentenphase. Die Indexpartizipation lässt sich ausschließen, dann ist das Vertragsvermögen allein im Deckungsstock der Axa investiert. Der Kunde kann sie aber bei Bedarf ebenso wieder aktivieren. Spätestens zum 85. Geburtstag zündet dann die Ruhestandsphase. Sie funktioniert analog zu einer „normalen“ Rente. Heißt: Die Sicherheit steht klar im Fokus, und die Rendite kommt allein aus dem Sicherungsvermögen.

Die zwei Phasen des Ruhestands
Diese Aufteilung des Ruhestands in zwei Phasen ist derzeit recht gängig bei diesen Produkten. Auch die Helvetia geht bei ihrem Konzept Pay-Plan so vor: Zunächst startet der Auszahlplan, bei dem das Kapital weiter am Kapitalmarkt in Investmentfonds und Anlagestrategien investiert ist und in monatlichen Beträgen an den Kunden ausgezahlt wird.
Die Höhe können Kunden dabei frei wählen und jederzeit ändern. „Der Kunde hat bei der Kapitalanlage die Auswahl aus drei Lösungen“, sagt Jens Patze, Produktmanager der Helvetia Leben. „Vollautomatisch über eine Mischung von Vermögensverwaltungen, teilautomatisch mit Einzelfonds und Strategien sowie komplett individuell mit einer Auswahl aus mehr als 280 Fonds und Strategien.“

Fünf Portfolios zur Wahl
An Anlagestrategien stehen beispielweise die fünf Portfolios Blue-Lane, Seven-Lane, Speed-Lane, Main-Lane und Safe-Lane zur Verfügung. Blue-Lane verwaltet etwa HSBC Global Asset Management und hat den „globalen Wandel“ zum Anlagethema. Bis zu 100 Prozent des Portfolios können die Fondsmanager in weltweite Aktienfonds investieren, die sich mit den Themen Klimawandel, demografische Entwicklung, Rohstoffverknappung und so weiter beschäftigen.
Bei der Anlagestrategie Seven-Lane steht die Entwicklung von sieben Wirtschaftsräumen im Fokus. Die Fondsmanager von HSBC wählen also Aktienfonds aus, die auf folgende Länder und Regionen spezialisiert sind: das „alte“ Europa, Nordamerika, Asien, Osteuropa inklusive Russland, Afrika, Lateinamerika und asiatische Schwellenländer. Als Sicherheitsbaustein lässt sich jeweils auch das Sicherungskapital der Helvetia hinzubuchen, es funktioniert quasi wie ein Fonds.
Die zweite Phase beginnt dann im höheren Alter, beispielsweise ab 85 Jahren. Dann wird das Restkapital – so noch welches vorhanden ist, denn der Kapitalverzehr vor Rentenbeginn ist möglich – in eine lebenslange Rentenzahlung umgewandelt. Flexibilität war der Helvetia dabei wichtig. „Bei uns sind jederzeit Änderungen der Auszahlungshöhe, zusätzliche Entnahmen oder auch eine komplette Auflösung möglich“, sagt Patze.
Einen Auszahlplan hat auch die Inter in ihre neue Rentenpolice Mein Leben eingebaut. Den Beginn der Auszahlungen können die Kunden frei wählen. Los geht es ab einem Betrag von 300 Euro pro Jahr. „Die Rendite kommt dabei aus der Mischung von klassischem Deckungskapital und ETFs“, sagt Jan Roß. Zur Verfügung stehen über 20 ETFs, darunter der iShares Euro Stoxx Select Dividend (263528) oder der iShares M-Dax (593392). Je nach Sicherheitsbedürfnis können die Kunden Sicherungsniveau oder Fonds jederzeit ändern.

Laufende Betreuung im Blick
Roß: „Ein Strategieassistent beobachtet auf Wunsch das Verhältnis der beiden Anlagen und gleicht Abweichungen auch im Verhältnis der ETFs untereinander monatlich an. So wird daraus ein Rund um-sorglos-Paket, das Kunden Sicherheit gibt und Beratern die laufende Betreuung mit Blick auf die Vertriebsrichtlinie IDD erleichtern sollte.“ Spätestens mit 85 Jahren startet dann auch bei diesem Produkt die Rentenphase.
Die Ergo-Tochter Vorsorge Leben hat wiederum einen gänzlich anderen Weg beschritten; sie setzt die fondsgebundene Rentenphase seit Mai 2015 über eine sogenannte Variable Annuity mit garantierter Entnahmeleistung um. Bei diesen Produkten trennen die Anbieter Garantie und Kapitalanlage. Die Garantie sichern sie über ein spezielles Portfolio ab, und die Kapitalanlage erfolgt unabhängig davon in Fonds oder Fondskörben.

Ein Hälfte Renten, eine Hälfte Aktien
Garantiert ist bei der Sofort-Rente Invest eine Mindestrente. Die Rendite kommt vom Mischfonds „Flex-Concept – Wachstum“ (A1KCHD) der Ergo-Kapitalanlagetochter Meag. Das Kapital ist zur einen Hälfte in den deutschen Rentenmärkten und zur anderen Hälfte am deutschen Aktienmarkt angelegt. Die Zielvolatilität liegt zwischen 10 und 14 Prozent. In den vergangenen drei Jahren erzielte der Fonds eine Rendite von 5,6 Prozent pro Jahr.
Die Variante der Variable Annuity hat auch die Canada Life mit ihrer Garantie Investment Rente gewählt. Während der gesamten Vertragsdauer bleibt der Kunde voll am Kapitalmarkt engagiert. Wie renditeorientiert die Anlage ausfallen soll, legen die Kunden dabei beim Abschluss fest und wählen eines von drei Fondsportfolios des hauseigenen Vermögensverwalters Setanta: „Chance“ enthält derzeit 50 Prozent Aktien- und 50 Prozent Rentenfonds, bei „Ausgewogen“ sind es 30 Prozent Aktien- und 70 Prozent Rentenfonds, und „Defensiv“ enthält dann nur noch 20 Prozent Aktienfonds.

Konzentrierte Portfolios
Die Portfolios bestehen dabei jeweils aus zwei Fonds. Als Aktienteil dient der Setanta Equity Tracker Fund, für den Fondsmanager Kieran Dempsey nur ETFs kauft. Dabei ist das Portfolio mit gerade mal vier ETFs sehr konzentriert. Mit Abstand den größten Anteil am Portfolio hat der SPDR S&P 500 ETF. Er kommt aktuell auf ein Gewicht von 60,1 Prozent. Der Rententeil besteht aus dem Setanta Core Euro Bond Fund. David Ryan setzt dabei hauptsächlich auf Staatsanleihen aus Deutschland und den Niederlanden.
Und wie hat sich die Anlagestrategie entwickelt? Betrachtet man die Verträge zwischen dem 21. Dezember 2012 und dem 17. Mai 2015, erreichte beispielsweise das Chance-Portfolio 9,6 Prozent pro Jahr, das Defensiv-Portfolio rund 5,9 Prozent jährlich.

Einsatz von Wertsicherungsfonds
Aber es gibt noch eine Variante, ein Fondsinvestment auch in der Rentenphase anzubieten, weiß IVFP-Geschäftsführer Frank Nobis, nämlich über eine „Kombination der konventionellen Kapitalanlage und eines dynamischen Wertsicherungskonzepts in der Rentenphase“. So macht es etwa die VPV bei ihrer Freiheits-Rente. „Wir haben gemeinsam mit Invesco eine Anlagestrategie erarbeitet, die auf Aktienfonds mit Bestnoten zurückgreift“, sagt Ulrich Gauß, Vorstandsvorsitzender der VPV Versicherungen.
Aus der Kooperation erwachsen sind der exklusiv für die VPV aufgelegte Aktienfonds „VPV Wachstum“ (A2ASE4) mit Wertsicherungsmechanismus. Aber auch den Invesco Europa Core (847033) setze man ein, so Gauß. „Der VPV-Wachstum ist mit einem monatlichen Wertsicherungsmechanismus in Höhe von 80 Prozent ausgestattet. Darüber hinaus wird je nach Kapitalmarktsituation dynamisch umgeschichtet. Wird es an den Kapitalmärkten ungemütlich, schichtet das flexible Anlagesystem sukzessive in sichere Kapitalanlagen um“, erklärt der VPV-Chef.

Vielen Dank an die Pfefferminzia

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