Was tun, wenn die Versicherung nicht zahlt?







Fliegende Dachziegel, umkippende Bäume, vollgelaufene Keller – wer vernünftig ist, der sichert sein Heim gegen solche Schäden ab. Doch was tut man, wenn die Versicherung sich weigert zu zahlen?
Schäden sind dem Versicherer so schnell wie möglich zu melden – noch bevor Handwerker beauftragt werden.
Laut Gerold Happ, Geschäftsführer Immobilien- und Umweltrecht des Eigentümerverbands Haus & Grund Deutschland, liegt die Zahlungsunwilligkeit häufig daran, dass kein Schutz besteht, weil die Police das Ereignis nicht abdeckt.
Auch eine Vernachlässigung der Verkehrssicherungspflicht durch den Eigentümer kann dazu führen, dass die Zahlung ausbleibt.
Ein solcher Fall wäre beispielsweise ein bei Sturm aufs Dach krachender morscher Baum, von dem der Hausbesitzer schon länger wusste. In diesem Fall kann der Versicherer die Zahlung ganz oder teilweise verweigern.

Richtiges Verhalten im Schadensfall
Häufig kommt es zum Streit über die Höhe des Schadens. Hier hilft ein Blick in den Versicherungsvertrag dabei herauszufinden, warum es weniger Geld geben soll: “Für den Zeitwert gibt es weniger als für den Neuwert”, so Happ.
Zudem gibt der Vertrag Hinweise auf das richtige Verhalten im Schadensfall: “Der Verbraucher muss dafür sorgen, dass der Schaden sich nicht vergrößert”, so Elke Weidenbach, Rechtsanwältin und Referentin für Versicherungen bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.
In der Praxis bedeutet das: Regnet es durch, sollte zumindest ein Eimer unter das lecke Dach gestellt werden, damit kein Wasser in die darunter liegende Wohnung sickert.
Auch “Notarbeiten” dürfen Versicherte machen oder beauftragen. In den meisten Fällen übernimmt die Versicherung später die Kosten dafür.
Schäden sind der Versicherung so schnell wie möglich zu melden – noch bevor Handwerker beauftragt werden. In den meisten Fällen wollen die Gesellschaften jegliche Schäden vorher selbst begutachten.
Allerdings spricht nichts dagegen, wenn “Versicherte mit dem Handwerker ihres Vertrauens den Schaden in Fotos dokumentieren und einen Kostenvoranschlag machen lassen. Dann weiß man, wohin die Reise geht”, so der auf Versicherungsrecht spezialisierte Anwalt Jens Dötsch aus Andernach.

Vertragsfirma oder eigener Handwerker?
Alternativ kann auch ein Sachverständiger herangezogen werden. Dessen Honorar muss der Hausbesitzer zahlen, jedoch ist die Ausgabe für den Handwerker eventuell mit dem Auftrag verrechenbar.
Vor allem bei Wasser- und Brandschäden arbeiten Versicherungen mit Vertragsfirmen zusammen. Sie beheben die Probleme zumeist zu günstigeren Konditionen als andere. Es kann jedoch niemand verpflichtet werden, die Vertragsfirmen zu nehmen.
Wer eigene Handwerker nimmt, der muss allerdings auf den Kostenrahmen der Versicherung achten. Wird es teurer, besteht die Gefahr, dass Versicherte auf dem Restbetrag sitzenbleiben.
Eine Option, sich mit der Versicherung gütlich zu einigen, ist die sogenannte fiktive Abrechnung. Der Geschädigte erhält zügig den veranschlagten Netto-Reparaturbetrag. Der Rest soll nach Vorlage der Rechnung fließen.
Der Eigenheimbesitzer kann mit der ausbezahlten Summe, eine Art Abschlagszahlung, den Schaden auch selbst beheben. Netto statt brutto kann günstiger sein, als lange um die Gesamtsumme zu prozessieren.
Selbstständiges Beweisverfahren
Kommen beide Seiten partout nicht zusammen, können Eigentümer ein selbstständiges Beweisverfahren einleiten. Dazu bitten sie das Amtsgericht um die Bestellung eines Sachverständigen.
Er sieht sich die Sache an und ermittelt die Schadenshöhe. Die Information bekommt dann die Versicherung. In 99 Prozent der Fälle akzeptieren die Versicherungen das Ergebnis des gerichtlich bestellten Sachverständigen.



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